Frauenwochen 2025

Zur Geschichte des Internationalen Frauentag – oder woher kommt der 8. März? (Brigitte Junge)

Seit wir uns erinnern, findet der Internationale Frauentag in Aurich am 8. März statt, und seit 1991 liegt er inmitten der „Auricher Frauenwochen“. Wie ist die Geschichte dieses Tages in Kürze zu erzählen?

Der Anfang ist international und datiert auf der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen im August 1910. Aus aller Welt angereist, versammelten sich dort die Sozialistinnen der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen. Sie vereinte ein gemeinsames Interesse, die Forderung nach dem Wahlrecht für Frauen.

Vorbild waren damals die US-amerikanischen Sozialistinnen, denn sie hatten
• 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet,
• 1909 ihren ersten Kampftag für das Frauenstimmrecht durchgeführt und
• 1910 bereits gemeinsam mit den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen für das Wahlrecht demonstriert.

Zwei SPD-Vertreterinnen aus Deutschland brachten den Antrag ein: einen gemeinsamen Internationalen Frauenkampftag für das Frauenwahlrecht, den die Konferenz dann auch beschloss. Die beiden SPD-Frauen waren Clara Zetkin und Käte Duncker. Zurück in Deutschland bereiteten sie den ersten Internationalen Frauentag für den 19. März 1911 vor, getragen von der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften. Die Bilanz dieses Internationalen Frauentags waren:
• über 25.000 neue weibliche SPD-Mitglieder (= Zuwachs um ca. 30%),
• 10.000 neue Abonnent:innen für die sozialistische Frauenzeitschrift „Die Gleichheit“ und
• der Beschluss, den nächsten Frauentag am 12. Mai 1912 durchzuführen.

1913 jedoch gab es Widerstände, Zweifler:innen, Kritiker:innen und 1914 wurde zum ersten Kriegsjahr. Während für einen großen Teil der SPD-Frauen nichts wichtiger war als der Frieden, galt offiziell, den „Burgfrieden“ zu wahren, also sich einheitlich hinter die politische Entscheidung für den Krieg und die Wehrhaftigkeit der Nation zu stellen. 1917 führte die Bewilligung der Kriegskredite zur Spaltung der Partei: Der linke SPD-Flügel stimmte dagegen und bildete fortan die unabhängige Sozialdemokratische Partei USPD. Die USPD beschloss die Fortführung des Internationalen Frauentags, organisierte eine „Rote Woche“ im Mai 1917 und feierte den Internationalen Frauentag 1918 am 5. Mai, dem Geburtstag von Karl Marx. Der Erste Weltkrieg wurde noch über ein Jahr fortgeführt, bis Marinesoldaten in Kiel und Wilhelmshaven sich Anfang November 1918 ihrem Befehl verweigerten und eine Revolution auslösten.

Nach der Novemberrevolution beschlossen SPD und USPD als provisorische Reichsregierung am 12. November 1918 das freie, geheime aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen. Im März 1919 fanden die ersten Wahlen statt. Frauen standen auf den Wahllisten und gingen wählen. Das Motiv für den Internationalen Frauentag schien damit erledigt.

Im Zuge der Novemberrevolution gründete sich die KPD, zu deren Mitgliedern Clara Zetkin und Käte Duncker gehörten. Clara Zetkin setzte sich dafür ein, in allen Ländern einheitlich den 8. März als Internationaler Frauentag durchzuführen: Am 8. März 1917 ( = dort Februar ) waren im russischen Petrograd die Frauen der armen Stadtviertel auf die Straße gegangen für „Brot! Nieder mit dem Krieg! Nieder mit dem Absolutismus!“ Die Arbeiter der wichtigsten Rüstungsbetriebe hatten sich den Frauen angeschlossen und waren in den Streik getreten. Zu Ehren der Rolle der Frauen in der „Februarrevolution“ wurde auf der Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 in Moskau der 8. März als internationaler Gedenktag eingeführt.

Und die SPD-Frauen? Ihr Antrag, einen Frauentag einzurichten, wurde auf der 7. und 8. SPDFrauenkonferenz 1919 und 1920 in Weimar abgelehnt. Sie mussten warten, geduldig bleiben. Erst 1923 nach der Vereinigung von SPD und der Rest-USPD beschloss ihre Erste Frauenkonferenz, den Internationalen Frauentag wiedereinzuführen. 1926 wurde dieser erstmals realisiert. Nun gab es zwei Internationale Frauentage: den kommunistischen Frauentag am 8. März und den sozialdemokratischen Frauentag ohne festem Datum. Und die neuen Inhalte? Sie lauteten:
• Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnabschlag,
• Senkung der Lebensmittelpreise,
• regelmäßige Schulspeisung,
• legaler Schwangerschaftsabbruch und
• beim SPD-Frauentag 1931: „Gegen Krieg und Nazi-Terror – Für Sozialismus und Frieden!“

Zwischen 1933 und 1945 offiziell verboten, ging der Internationale Frauentag in die Illegalität und fand seinen Ausdruck beispielsweise im:
• Auslüften von roten Gegenständen aus Fenstern und an Wäscheleinen oder
• Auslegen illegaler Flugblätter – nicht ohne Gefahr.

Nach 1945, im geteilten Deutschland gab es wieder zwei Internationale Frauentage.
In der Sowjetischen Besatzungszone wurde der Internationaler Frauentag zum 8. März 1946 wieder eingeführt und später in der DDR bis 1989 gefeiert.
In Westdeutschland veranstalteten Sozialdemokratinnen seit 1948 wieder Frauentage. Ihr Thema „Frieden und der Kampf gegen die Wiederbewaffnung“ schuf ein Bündnis von SPD, KPD und bürgerlichen Parteien, parteilosen Christinnen und Pazifistinnen. 1956 wurde die KPD verboten, der Frauentag geriet auch unter den SPD-Frauen ins Abseits. Es war die Zeit des „Kalten Krieges“. Wer wollte gleichgesetzt werden mit den „Kommunistinnen und den Sozialistinnen der Sowjetzone“?

Erst Ende der 1960er-Jahre rückte die Neue Frauenbewegung den 8. März wieder stärker ins allgemeine Bewusstsein.
Am 8. März 1975 richtete die UN den „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ aus. Das geschah im „Internationalen Jahr der Frau“ 1975: In Mexiko-City fand die erste UNWeltfrauenkonferenz statt. Die UN rief die „Dekade der Frau“ (1976–1985) aus. Und westdeutsche Gewerkschafterinnen nahmen Arbeitslosigkeit und fehlende Gleichberechtigung zum Anlass, um 1975 vor den Türen des DGB-Kongresses in Hamburg zu demonstrieren. Sie kritisierten als Delegierte unterrepräsentiert zu sein.
Vorstandsfrauen der IG Metall erinnerten sich an den Internationalen Frauentag. 1979 veranstalteten Gewerkschafterinnen Aktionen am 8. März. Der DGB kritisierte dieses als nicht konform mit dem Gedanken der Einheitsgewerkschaft. Drei Jahre lang organisierten Gewerkschafterinnen Einzelaktionen, bis der DGB Bundeskongress 1982 in Berlin beschloss, dass der Internationale Frauentag fortan auf allen Ebenen stattfinden sollte.

Die Auflösung der DDR, ihre Eingliederung in die Bundesrepublik bedeutete für den Internationalen Frauentag keineswegs eine „Wiedervereinigung“. Frauen taten sich schwer mit dem 8. März, alte Berührungsängste und neue Interessenkonflikte verzögerten, sich gemeinschaftlich zu diesem „Tag der
Frauen“ zu bekennen. Es sollte dauern. Seinen Auftrieb bekam der Internationale Frauentag seit 1993, jetzt mit der Einforderung von (verlorenen) Frauenrechten.

weiterführende Literatur:
Kerstin Wolff: Alle Jahre wieder … Der Internationale Frauentag – ein Feiertag für die Frauenbewegung? In: Ariadne –
Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte. Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung (Hrsg.), Heft 50, Kassel
2006, S. 66-71.
Dagmar Stuckmann: „Gebt Raum den Frauen“ – 100 Jahre Internationaler Frauentag in Bremen. Wiesbaden 2011.
Brigitte Junge: 100 Jahre Frauenwahlrecht – Anfänge und Einschnitte. In: 100 Jahre – Frauen haben die Wahl. Landkreis
Aurich (Hrsg.), o.O., o.J. (Aurich, 2019), S. 8-19